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Grüne starten Initiative: Qualität bei der Betreuung minderjähriger Flüchtlinge in der Steiermark muss endlich angehoben werden!

Steiermark hinkt hinter den Standards der Kinder- und Jugendhilfe hinterher: zu große Quartiere, zu großer Betreuungsschlüssel, zu niedriger Tagsatz. Die Folge: Integration wird behindert und verhindert!

Die Steiermark hat bei der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hinsichtlich der Quartiergröße und des Betreuungsschlüssels noch immer niedrigere Standards als andere Bundesländer – mit einer Landtagsinitiative wollen die Grünen das nun ändern.

„So wie Jugendliche in der Steiermark teilweise untergebracht sind, wird Integration behindert und verhindert“, bringt es die Grüne Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl auf den Punkt: „Alle Menschen, die in diesem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten, bestätigen und warnen einhellig: Wenn Kinder und Jugendliche in viel zu großen Quartieren und mit viel zu wenig Betreuung zusammenleben müssen, droht Verwahrlosung, sie sozialisieren sich nur gegenseitig, sie finden keinen Anschluss an die Gesellschaft.“

Im Detail: In der Steiermark gibt es nach wie vor Großquartiere mit bis zu 55 Jugendlichen, in einer neuen Durchführungsverordnung zum Steiermärkischen Grundversorgungsgesetz wurde erneut festgelegt, dass maximal 40 Jugendliche und in begründeten Ausnahmefällen sogar 50 Jugendliche pro Quartier wohnen dürfen. „Diese Zahl ist bei Weitem zu hoch“, so Krautwaschl: „In Wien gibt es für unbegleitete Minderjährige beispielsweise ausschließlich Wohngemeinschaften mit maximal 15 Jugendlichen. Die Größe der Einrichtungen in der Steiermark widerspricht allen fachlichen, sozialpädagogischen und kinderrechtlichen Prinzipien: zu viele junge Menschen auf engem Raum mit wenig Betreuungsstruktur und ohne tatsächliche Bildungsmöglichkeiten“, fasst die Grüne Abgeordnete zusammen.

Oder: Auch beim Betreuungsschlüssel, der über eine 15a-Vereinbarung geregelt wird, hinkt die Steiermark hinterher. Es gilt ausschließlich der Betreuungsschlüsse von 1:15 - im Gegensatz zu mehreren anderen Bundesländern gibt es in der Steiermark kein einziges Quartier mit einem Betreuungsschlüssel von 1:10. „Der Bedarf an einer besseren Betreuungsstruktur ist jedoch auch in der Steiermark gegeben“, so Krautwaschl.

Dazu kommt, dass die Steiermark weiterhin nur maximal einen Tagsatz in der Höhe von 62 Euro bezahlt – obwohl der Höchsttagsatz auf 95 Euro erhöht wurde und schon der frühere Höchsttagsatz von 77 Euro die Trägerorganisationen nicht kostendeckend arbeiten ließ, wie die „Asylkoordination Österreich“ festgestellt hat und dazu auch betont: „Vor allem die Kosten, die mit der Eröffnung eines neuen Quartiers verbunden sind, der Grund für fehlende Neueröffnungen kleinerer Quartiere mit angemessener Betreuungsstruktur.“

Die österreichische Kinder- und Jugendanwaltschaft zeigt sich aufgrund der unzureichenden Mittel für die Betreuung junger Flüchtlinge übrigens bereits „höchst besorgt über die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen“ und fordert „einen Paradigmenwechsel, der die Gleichstellung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen in sämtlichen Lebensbereichen beinhaltet. Mit diesen Tagsätzen ist eine Betreuung nach sonst üblichen sozialpädagogischen Kriterien, gerade für diese oft schwer traumatisierte Gruppe junger Menschen, nicht möglich“, so die Kinder- und Jugendanwaltschaft in einem Positionspapier.

Die Grünen bringen nun einen Landtagsantrag ein, der im März im Ausschuss behandelt werden wird. Die Landesregierung wird darin aufgefordert, „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach den Standards der Kinder- und Jugendhilfe unterzubringen und zu betreuen, sowie eine Schlechterstellung dieser Personengruppe aufgrund ihres Aufenthaltsstatus nicht zuzulassen.“ (17. Februar 2017)

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