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„Fall Janka/BH Leibnitz“: Grüne richten sieben Fragen an Landesrätin Kampus

Schriftliche Anfrage eingebracht: „Es ist wohl auszuschließen, dass aus einem 270 Seiten dicken Akt gerade jene zwei Seiten zufällig verloren gehen, die die Behörde belasten.“

Der erschütternde Fall von Walfried Janka, der vom Jugendamt der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz als Säugling einer verurteilten Mörderin als Pflegekind anvertraut wurde, wird jetzt auch ein Fall für den steirischen Landtag. Denn die Grüne Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl​ hat dazu nun eine schriftliche Anfrage an Soziallandesrätin Kampus eingebracht. Janka wurde von der Pflegemutter jahrelang gefoltert, gequält und missbraucht, bis er schließlich auf die Heilpädagogische Station des Landessonderkrankenhauses Graz gebracht wird, wo die Misshandlungen und Qualen bis zu seinem 16. Lebensjahr fortgesetzt werden. Der ausführliche Jugendamtsakt findet sich hier​.

Im Jahr 2016 gelang es Janka seinen Jugendamtsakt zu fotografieren. Dabei fiel ihm ein Amtsvermerk auf, aus dem hervorging, dass die BH Leibnitz bereits in den 1970er-Jahren von der Verurteilung seiner Pflegemutter wegen Kindsmordes wusste und eben dieser Amtsvermerk angelegt wurde. Nachdem er mit seinem Fall an die Öffentlichkeit ging, teilte die BH Leibnitz jedoch mit, dass dieser Amtsvermerk nicht im Akt auffindbar sei und „eine Verurteilung von Frau ... wegen Kindesmisshandlung kann aus dem vorliegenden Akt nicht nachvollzogen werden.“

Außerdem wurde am 21. November 2017 eine Kopie des Aktes von der BH Leibnitz an das Gewaltschutzzentrum in Graz übermittelt, auch hier war der Amtsvermerk nicht auffindbar. Auch bei einer neuerlichen persönlichen Akteneinsicht bei der BH Leibnitz am 17. September 2018 war der Vermerk im Originalakt nicht mehr auffindbar.

Durch den verschwundenen Amtsvermerk ging der Nachweis der Kenntnis der BH Leibnitz von der Verurteilung seiner Pflegemutter wegen Kindesmords verloren. „Somit wird sein Vorgehen gegen das Land Steiermark erschwert und behindert - und auch seine Glaubwürdigkeit sollte wohl erschüttert werden“, so Krautwaschl. „Glücklicherweise hat Herr Janka den Aktenvermerk fotografiert, sodass er beweisen kann, dass die BH Leibnitz davon wusste, dass seine Pflegemutter wegen Mordes an ihrem Kind verurteilt worden war. Unfassbar ist, dass Herrn Janka nicht nur durch ein Behördenversagen schweres Leid zugefügt wurde, sondern dass dieses Behördenversagen offensichtlich auch noch vertuscht werden sollte. Denn es ist wohl auszuschließen, dass aus einem 270 Seiten dicken Akt gerade jene zwei Seiten zufällig verloren gehen, die die Behörde belasten“, so Krautwaschl weiter.

Sie will jetzt von der Landesregierung sieben konkrete Antworten:

1. Wieso durfte Herr Janka seinen eigenen Jugendamtsakt bei der ersten Einsichtnahme im Mai 2016 nicht kopieren beziehungsweise fotografieren?

2. Wie konnte es passieren, dass gerade der wichtige Aktenbestandteil, der Amtsvermerk, der die Kenntnis der BH Leibnitz über die Vorstrafe der Pflegemutter wegen Kindesmordes beweist, nun nicht mehr im Akt ist?

3. Welche Schritte haben Sie gesetzt, um zu ermitteln, wer den Amtsvermerk entfernt hat?

4. Wurde bezüglich des verschwundenen Aktenteils eine interne Prüfung eingeleitet? Falls ja, was hat diese ergeben? Falls nein, warum nicht?

5. Wie viele Personen haben in den letzten drei Jahren Einsicht in den Akt genommen?

6. Wurde der Akt oder wurden Aktenteile, abgesehen von der Aktenanforderung von Herrn Janka im Jahr 2016, an eine andere Behörde übermittelt?

7. Anerkennen Sie die Existenz und Echtheit des fotografierten Amtsvermerkes? Wenn ja, welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

​(3. Dezember 2018)


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